Wer losläßt, hat beide Hände frei.

...zum Beispiel für perfekte selbstangebaute Karotten 😉

Tja, lange habt Ihr nichts gehört von mir. Jetzt wird der Sommer ruhiger, call it Spätsommer und meine Aktivitäten verlagern sich auch langsam wieder nach drinnen. Da hat sich sowieso viel getan, also im DrinnenInnen – damit meine ich keinerlei Genderthemen, eher mich und mein Mindset. Aber mal der Reihe nach.

Ein Jahr vor der neuen Zeitrechnung – der C-Phase, Ihr wißt schon – eröffnete ich ja mein Cafe. Zwar mit Null Euro Eigenkapital, dafür mit Enthusiasmus und jeder Menge Unterstützung. Ich berichtete davon.

Mut gehörte vielleicht dazu, denn ich hatte viele schlaflose Nächte. Der Mut kam aber eher von Außen. HÄÄÄÄÄÄÄ???? Jo, mein Umfeld traute mir den Schritt, den ich damals tat, einfach zu. Viele sahen mehr in mir, als ich selbst. Häufig stand ich in meiner Küche und hoffte, dass niemand bemerken würde, wie wenig Ahnung ich hätte, oder niemand dahinter käme, was ich da rumpfuschte. So mein Eindruck. Heute weiß ich, dass man das „Münchhausen-Syndrom“ nennt. Und nein, ich war kein Hochstapler, sondern mir fehlte einfach nur das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Dann kam das große C – und ich wuppte die Zeit alleine auf mich gestellt, ohne Mitarbeiter und auch isoliert von Vielen.

Gute Freunde distanzierten sich, weil ich als Geschäftsfrau gewisse Massnahmen einhalten musste, andere distanzierten sich, ob meiner Nichtbereitschaft, mich pieksen zu lassen. Wohlgemerkt, ich drückte und drücke niemandem ungefragt meine Meinung auf. Ich traf eine Entscheidung, die ausschließlich mit meinem Körper zu tun hatte, meine Tür stand trotzdem für jeden offen. Trotz Druckes und Isolation oder sollte ich sagen WEGEN dieser 2 Einflüsse, gewann ich innerlich an Stabilität.

Unter Druck entstehen Diamanten.

Als dann meine (gewerblichen) Vermieter den Druck durch Mieterhöhung noch mehr erhöhen wollten, oder als taktische Alternative eine Schlüsselübergabe vorschlugen (Ladenaufgabe), entschied ich mich aus dem Bauch heraus spontan für letztere Option. Ich wußte noch nicht, wo mein Weg hinführen würde, aber dass meine Zeit dort abgelaufen war, hatte ich schon sehr viel früher realisiert.

Die Räumungszeit war ziemlich stressig, weil sportlich kurz. Dafür wartete hinterher ein Besuch bei der besten Freundin im Süden samt Seminar auf mich. Ein Jobangebot hatte ich schon im Sommer erhalten – und hej, als Servicepflanze reichte doch in diesen Zeiten ein Fingerschnippen, um wieder vertraglich in Lohn und Brot zu kommen. Und so verbrachte ich den Winter nicht weit von meinem alten Laden mit denselben Gästen und netten Kollegen als einfaches Tellertaxi 😉 . Zumindest solange, bis es einen Impuls gab, welches Ziel sich denn als nächstes lohnen würde. In den 2 Ausnahmejahren ist mir noch mehr als zuvor klar geworden, dass ich anders ticke als die meisten. Ich brauche das Risiko, die Herausforderung des Neuen, muss mich in neue Wissensgebiete stürzen können, neue Menschen kennen lernen, will da sein, wo ich gebraucht werde, kurz:

LEBEN & STRAHLEN

Kurzer Einwurf: Gerade hatten wir Belegschafts-Sommerfest und der Burgerwagenbetreiber hat jedem von uns einen Kochlöffel mit unterschiedlichen Illustration zu unserer Burgerbestellung gereicht, um später die Bestellungen auseinander halten zu können. Da gabs von Wonderwoman bis Big Boss viele schöne Lacher – mein Kochlöffel war:

„You are my sunshine“ 😉

Und mit dem Beginn des neuen Jahres, dieses Jahres wurde ich unruhiger. Durch einen Vorschlag stieß ich auf ein Restaurant in der Nähe, das mir vorher völlig unbekannt war. Also machte ich mich erstmal schlau über die üblichen Kanäle: Tante Goggel und Onkel Zuckerberg. Das Restaurant befindet sich auf einem Gut, das ein beliebtes Ausflugsziel ist, aufgrund der Trakehnerzucht und so einiger ausgefallener Galerien und Kunstgeschäfte. Außerdem ist das Restaurant nicht nur 1, sondern 2 – weil ein Teil als Gourmet betrieben wird, sprich Sterneküche. Und als ich so beim Gesichtsportal auf deren Seite scrolle, fällt mir ein Stellenangebot ins Auge, das aber schon 4 Monate alt ist. Schnell eine Email gesendet, ob das noch aktuell wäre und im nächsten Augenblick führte ich schon ein Gespräch mit dem Küchenchef und Sternekoch über Permakultur, alte Gemüse, Fruchtfolgen und Wildkräuter. Kurze Zeit später schauten wir dann in seinen Küchengarten: nur knapp 1000 qm groß, einige Dauergemüse, 2-3 Obstbäume, alles überschaubar, machbar, gut. Erwähnung fand auch die angrenzende Pferdekoppel, die dann in 2023 dazu kommen sollte.

Ich hatte mir schon im letzten Jahr mehr Garten gewünscht, denn ich habe mal gerade 15 qm Beetfläche bei mir zuhause zur Verfügung. Also war ich von der Aussicht und den Entwicklungsmöglichkeiten des Küchengartens begeistert, musste dann noch etwas auf die Zusage warten. Denn hinter dem Restaurant und dem Gut steckt letztendlich eine Unternehmensgruppe und da mahlen die Entscheidungsmühlen immer etwas langsamer.

Pass auf, was Du Dir wünscht – es könnte in Erfüllung gehen!

Das Universum – und ja hier meine ich durchaus Gott, Engel o.ä. Mitarbeiter des Schicksals – hat sich dann aber doch noch einen kleinen Joke erlaubt. Ich bin ja sowieso der Überzeugung, dass „die da oben“ irgendwas nehmen oder rauchen 😉 . Mit der Zusage wurde mir dann auch eröffnet, dass das Projekt „Erweiterung des Küchengartens“ schon SOFORT in Angriff genommen wird, das Budget genehmigt wurde, und ich also auf fast 3000 qm Gartenfläche Gemüse anbauen und mich austoben kann…

Ich hab die Herausforderung angenommen Punkt. Dazu wird es sicher in nächster Zeit noch den ein oder anderen Artikel geben von Erfolgen und Misserfolgen, denn Garten hat nichts mit grünen Daumen zu tun ;))))

Und ich habe einiges dazu gelernt. Nicht nur, was Garten oder Medienpräsenz angeht. Vor allem aber, bin ich in mir angekommen. Nicht, dass es hier Missverständnisse gibt: HIER auf diesem Stück Land bin ich auf unbestimmte Zeit angekommen. Ich werde spüren, wann es Zeit wird weiter zu ziehen. Aber in mir habe ich nicht nur Selbstvertrauen erlangt, was ja bedeutet, Vertrauen in sich selbst zu haben, sondern dazu ist eine große Selbstsicherheit gekommen. Bedeutet, ich bin mir nicht nur sicher, was ich kann, sondern wer ich bin und was ich möchte und brauche. Bei soviel Erdung kam ich da auch nicht drumrum ;). Und ich habe begriffen, dass ich mein Ding nicht nur durchziehen muss, sondern das auch tun darf, wie ich es für richtig halte, weil es dann richtig gut wird. Es hat halt 50 Jahre gebraucht, bis ich mich selbst ernst nehmen und so akzeptieren konnte. Verrückt, oder?

Und wer jetzt meint, ist doch ganz einfach: Okay, stell Dir vor, Du trägst unvorteilhafte aber bequeme Arbeitsklamotten, hast ne unmögliche/ungewöhnliche aber für den Moment praktische Frisur, bist dreckig oder verschwitzt oder beides. Würdest Du Dich filmen lassen? Vor einem Jahr hätte ich mich das nicht getraut. Heute ist das halt so, weil ich so bin. Ach ja, ich bin die mit der dreckigsten Lache 😀

https://www.ardmediathek.de/video/schleswig-holstein-magazin/mairuebchen-mit-dicken-bohnen-und-spargelsalat/ndr-schleswig-holstein/Y3JpZDovL25kci5kZS9iODkwMDFjMC05MTY0LTRiMzAtODRkMS1hMDUyMjk5MGFlMmQ

Und den Garten konntet Ihr ja auch ein wenig im Hintergrund erkennen. Wenn mir demnächst nicht noch ein Umzug aufs Gut dazwischen kommt, dann solls hier auch mehr geben: mehr Garten, mehr Inspiration aber auch mehr Wissen darüber, was auf diesem Gut so abgeht, mit Gutsverwalter, Pferden und Jagd, was Köllnflocken und Flensburger hier zu suchen haben oder auch was ich zwischenzeitlich als Techniknicki und Luna-Kartentante im Bambusfeld zu suchen habe. Bleibt gespannt 😉 .

Ich geh jetzt noch ein wenig das Wochenende und den Spätsommer genießen. Hoffe, Ihr tut selbiges ebenfalls. Habt Spaß und AUF AUF !

Hinterlasse einen Kommentar