Durchatmen – dachte ich.
Also anfangs funktionierte der Plan, startete erst um 8 Uhr. Windig war’s immer noch. Keine Chance die Folien (hatten sich alle wie wild gelockert) wieder an Ort und Stelle zu bekommen.

Habe mich also mit Aussaat beschäftigt. Karotten und auch Rote Bete nochmal direkt ins Beet. Zwischen die Beten hab ich Gewürztagetes gesät. Hab ich im Frühjahr verpasst, hoffe, das klappt noch. Die kleinen Blüten brauchten die Köche wirklich in Masse. Und in die Quickpot kamen Palmkohl, Grünkohl und Chinakohl. Grünkohl kam das selbstgewonnene Saatgut „Lerchenzungen“ zum Einsatz. Mal schaun, ob ich damit für die Ernte ab Februar (für den Grünkohl) besser liege. Letztes Jahr war der zu früh fertig, so ab November. Hab nicht damit gerechnet, dass der hier erst so spät verwendet wird. Und ich könnte fast wetten, dass es dieses Jahr im November heißt: „wie weit ist der Grünkohl?“ 😂
Dann hab ich mich noch um das Sativa-Projekt „Mit vereinten Gärten“ gekümmert. Da gehts darum, neue Salatsorten zu testen, vor allem auf den Befall mit Mehltau. Deshalb sollten die Sorten – ich hab 3 zugeteilt bekommen, nur mit Nummern versehen- auch erst spätestmöglich ausgesät werden. Damit sie zur Ernte hin feuchte Witterung abbekommen. Das wird dann alles dokumentiert.
Unter diesem Link könnt Ihr sehen, wo überall getestet wird und genau nachlesen, was dahinter steckt : https://www.mit-vereinten-gaerten.org/

Danach mit Cheffe Begehung gemacht. Je nachdem, was er so auf den Beeten entdeckt hat, entwirft er die Gerichte fürs Gourmet. Das ist nicht selbstverständlich. Weil es bedeutet, dass er wesentlich flexibler sein muss, als früher. Andere Köche schreiben zuerst die Speisekarte, und klar halten sich viele grob an den Saisonkalender bei Obst und Gemüse. Dann wird im Großhandel bestellt, und da ist immer alles bestellbar. Daran sind Köche gewöhnt. Die Natur funktioniert aber anders. Manchmal gibts Ausfälle durchs Wetter oder Tiere, oder bestimmte Gemüse reifen einfach später oder gehen einfach mal superschnell in die Blüte, müssen also schnell abgeerntet werden. Dill ist so ein Beispiel.
Im Handel ist Dill jederzeit erhältlich. Ich müsste 5 Beete mit Dill (natürlich immer zeitlich versetzt ausgesät) anlegen, um einigermaßen den Dillbedarf zu decken. Und dabei wird die größte Menge zum Beizen von Fisch verwendet.
Aber Chef hat reagiert und nachgedacht. Warum eigentlich immer mit Dill beizen? Wir haben auch ne Menge Petersilie im Garten. Und wenn die abgeerntet ist (wächst aber nach) gibts Gewürzfenchel – in Massen. Also einfach mal das nutzen, was verfügbar ist. Früher haben wir doch auch improvisiert. Und so wird das Kochen freier, ursprünglicher und vielleicht auch fantasievoller.
Köche sind zwar Künstler, wenn sie ein Rezept entwerfen. Danach sind sie Handwerker und Hochleistungssportler, weil sie immer wieder dieselben Arbeitsschritte ausführen und das im perfekten Timing. Hat sinngemäß Juan Amador (meine ich 🤔) mal gesagt.
Währenddessen hat meine Kollegin jede Menge schwarze Johannisbeeren und fast schwarze Stachelbeeren geerntet. Das sind beides Kulturen, die man – sofern man sie mag- unbedingt selbst im Garten haben sollte. Denn im Handel wird das zwar angeboten, aber die Qualität ist nicht erreichbar. Diese beiden Sorten werden ziemlich unreif geerntet, gewinnen aber erst mit Sonnenreife an Geschmack.
Ich hab dann noch Mairübchen, Petersilie, Zucchini und die längst abgeernteten Zwiebeln rüber gebracht und wurde gefragt, ob ich „nachher“ noch da wäre. Eine kleine Delegation junger Menschen und Dehoga-Mitglieder würden auf ne Führung vorbeikommen. Dahin mein Plan vom ruhigen Tag ohne Überstunden.
Hinterher hab ich aber gemerkt, wie platt ich war. Aber heute (Freitag) und kommenden Montag mach ich WIRKLICH kürzer! Ich schwör!